04.01.2026
Jahresanfang hat etwas Ritualhaftes. Wir schauen zurück, ziehen Bilanz, nehmen uns Dinge vor.
In Unternehmen läuft das erstaunlich ähnlich. Neues Jahr, neue Energie, neue Organisation und neue Initiativen. Und sehr oft: neue Tools.
Auch in BI und KI.
Die Gespräche klingen vertraut. Dieses Jahr wollen wir es wirklich angehen. Moderner werden. Automatisieren. Mehr KI einsetzen. Weg von Excel. Weg von alten Reports.
Was sich dabei jedes Jahr wiederholt, ist nicht der Vorsatz. Es ist die Logik dahinter.
Viele BI- und KI-Initiativen entstehen aus Unzufriedenheit. Mit gewachsenen Strukturen. Mit ineffizienten Prozessen. Mit dem Gefühl, nicht mehr zeitgemäß zu arbeiten. Also definieren wir Ziele aus einem Weg-Von statt einem Hin-Zu. Weg von alten Tools. Weg von manuellen Auswertungen. Weg von dem, was uns bremst.
Was dabei fehlt, ist das Entscheidende: ein klares Zielbild.
Wenn wir nicht wissen, wo wir hinwollen, können wir weder Maßnahmen definieren noch Verhaltensweisen oder Tool-Stacks verändern. Aber Weg-Von ist einfacher als Hin-Zu. Weil Hin-Zu nicht durch Unzufriedenheit definiert werden kann, sondern nur durch die ehrliche Fragen und ehrliches Hinschauen. Was brauchen wir, welche Bedürfnisse haben wir und wir könne wir diese unter gegebenen Rahmenbedingungen umsetzten?
Und genau dieses Muster zeigt sich auch bei BI und KI.
Wir wissen sehr genau, was wir nicht mehr wollen. Aber wir definieren nicht, wie gute Nutzung aussieht. Welche Entscheidungen anders getroffen werden sollen. Welche Routinen sich im Alltag ändern müssen, damit die Technologie wirken kann. Und welche Maßnahmen es braucht, dass die Menschen in der Organisation diese Veränderungen nicht nur akzeptieren, sondern auch aktiv mittragen.
Ohne Zielbild lassen sich keine Maßnahmen ableiten. Ohne Maßnahmen verändert sich kein Verhalten. Und ohne verändertes Verhalten bleibt jedes Tool ein nettes technisches Werkzeug, aber kein Hebel zur wirklichen Veränderung.
Trotzdem starten BI- und KI-Projekte jedes Jahr mit viel Energie. Neue Plattformen. Neue Dashboards. Neue Use Cases.
Nach einigen Wochen nimmt die Nutzung ab. Dashboards bleiben geschlossen. KI wird punktuell genutzt. Alte Muster kehren zurück.
Menschen ändern ihr Verhalten nicht wegen Tools. Sie ändern es, wenn klar ist, wofür und wenn sie selber einen Nutzen daraus ziehen.
Welche Entscheidungen sollen leichter werden? Welche Prozesse sollen sich konkret verändern? Welche Gewohnheiten sollen verschwinden und welche neu entstehen?
Solange diese Fragen offen bleiben, bleibt alles beim Alten. Nur mit neuer Software.
Vielleicht ist dieses Jahr ein guter Moment, das Muster zu durchbrechen.
Nicht mit der Frage: Was wollen wir endlich loswerden?
Sondern mit der Frage: Wo wollen wir eigentlich hin?
Wenn du magst, nimm dir genau diese Frage einmal bewusst für BI oder KI in deinem Unternehmen vor. Nicht auf Tool-Ebene, sondern auf Entscheidungs- und Verhaltensebene. Und wenn du merkst, dass das Bild fehlt oder unscharf ist, dann lohnt es sich, genau dort anzusetzen.
Denn neue Tools ohne Richtung liefern Aktivität, aber keine Wirkung.
Wenn du merkst, dass bei euch viel über Tools gesprochen wird, aber wenig über Wirkung, dann lohnt es sich, genau hier anzusetzen.
